Als leitender Architekt der re:publica fielen Bühnen zwar in Mathias’ Verantwortung, nur drauf sprechen mochte er mit seiner feinen, immer leicht singenden Stimme nicht.
Im Rahmen der Pressevorstellung zum Kickoff der re:publica 18 und zur Präsentation des Mottos POP hatten wir allerdings einige Elemente des Raumdesigns aufgebaut und mit dem Art Department unsere Interpretation des Mottos für den Raum präsentieren wollen. Mathias musste also mit auf die Bühne, überließ das Reden aber dem Designteam und mir, Tanja. Erst als wir fertig waren, ließ er sich doch noch das Mikro geben und schloss die Präsentation mit der frohen Ankündigung, es werde außerdem ein ungewöhnlich großes Bällebad geben. Noch während wir die Bühne verließen, knuffte mich Mathias mit dem Ellenbogen in die Seite und kicherte flüsternd: „Das hab ich jetzt gut einfädelt, oder?“
Denn die Idee des Bällebads geisterte zwar seit Wochen durch die Tag- und Nachtträume des Teams, beschlossen war die Sache aber längst nicht. Bis sie nun schüchtern, aber unmissverständlich von Mathias öffentlich angekündigt wurde.
Und haben wir’s gefeiert? Yes!
Mathias Lücking hat von 2012-2022 zunächst mit dem Bühnenbauunternehmen Spreekulissen, später als Set-Architekt der re:publica im wahrsten Sinne Raum verliehen und dabei still aber beharrlich kleine Kunstgriffe mit großer Wirkung durchgesetzt.
Wir verdanken ihm neben unvergesslichen Bühnenbildern, die ebenso ungewöhnliche wie weitsichtige Anschaffung von 2000 Bäckerkisten, mit denen wir seit 2014 immer wieder Neues bauen und die als Sitzlandschaft, Vertical Garden oder Beistelltischchen inzwischen den Look der re:publica prägen. Um Baumüll zu vermeiden, entwickelte Mathias ein modulares Regalsystem, aus dem wir seither Info- Partnerstände und Raumtrenner bauen und abschließend wieder einlagern. All das entstand lange, bevor der Begriff Nachhaltigkeit “en Vogue” wurde und stets unter Berücksichtigung klammer Finanzen, Zeitmangel und Spaß! Denn dass wir das alles machen, damit wir und unsere Gäste auf der re:publica eine gute Zeit zusammen haben, vergaß Mathias nie. Der Fun-Faktor war ihm ebenso wichtig, wie die Schönheit im Detail. Einen 2 km langen Ausdruck von Moby Dick, der sich durch die gesamte Station schlängelt, hätte es ohne Mathias ebensowenig gegeben, wie einen verspiegelten “Welcome-Kubus”, dessen Geheimnis (man konnte hineingehen und durch die einseitige Verspiegelung rausspähen) nur wirklich aufmerksame Gäste entdeckten!
Am 1. April ist Mathias viel zu früh gestorben und es sind all diese kleinen, großen Dinge, dank derer er uns immer ein bisschen begleiten wird.
Vermissen werden wir dich trotzdem, lieber Mathias!
Unser herzliches Beileid gilt Mathias’ Familie und allen Freundinnen und Freunden, denen er wichtig war.
Tanja Haeusler & das re:publica-Team