Wenige Tage vor Weihnachten erhielten Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon Einreiseverbote aus den USA – wegen angeblicher Zensur. Dabei setzen sie sich mit HateAid dafür ein, dass illegale Inhalte und Gewalt auch online verfolgt werden. Das Ziel ihrer gemeinnützigen Organisation ist es, das Netz zu einem positiven Ort zu machen, in dem demokratische Werte für alle gelten.
Durch ihre Arbeit gelangten die beiden HateAid-Geschäftsführerinnen unbeabsichtigt ins Zentrum eines Konflikts zwischen Europa und US-Tech-Interessen. Ihr Fall ist zwar kein Einzelfall, doch er zeigt, wie zivilgesellschaftliches Engagement zunehmend unter Druck gerät.
Was braucht es jetzt? Auf der re:publica 26 diskutieren Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon über die Frage, welche Konsequenzen das hat – und was das für den Schutz unserer digitalen Souveränität bedeutet. Sie berichten von persönlichen Folgen, Sorgen im Team und organisatorischen Umbrüchen – aber auch von ihrem Widerstand.
Anna-Lena von Hodenberg ist gelernte Journalistin. 2018 gründete sie gemeinsam mit Campact e. V., Fearless Democracy e. V. und einem gegen rechte Gewalt engagierten Volljuristen die HateAid gGmbH. Mit ihrer gemeinnützigen Organisation setzt sich Anna-Lena von Hodenberg für Menschenrechte im digitalen Raum ein. 2020 wurde sie mit dem Digital Female Leader Award ausgezeichnet, 2021 von der Zeitschrift Capital zu den „Top 40 unter 40“ gekürt und zum „Ashoka Fellow“ berufen. Der Grund: HateAid.
Josephine Ballon ist Rechtsanwältin. Seit Ende 2023 leitet sie HateAid gemeinsam mit Anna-Lena von Hodenberg als Geschäftsführerin, nachdem sie ab 2019 zunächst als Head of Legal für die Organisation tätig war. Josephine Ballon setzt sich dafür ein, die rechtlichen Voraussetzungen für Betroffene von digitaler Gewalt, die bisher weitgehend schutzlos gestellt sind, zu verbessern und ihnen Zugang zum Recht zu verschaffen. Als politische Sachverständige nimmt sie zu Fragen der Strafverfolgung von Hasskriminalität im Internet, geschlechtsspezifischer digitaler Gewalt und der Plattformregulierung Stellung.